Die Ratte aus dem Untergrund
Unser unterirdisches Kanalsystem ist ein wichtiger Bestandteil unserer Infrastruktur. Es sorgt dafür, dass Abwasser sicher gesammelt und zur Reinigung weitergeleitet wird. Doch die Kanalisation kann auch von Tieren als Lebensraum genutzt werden – insbesondere von Ratten.
Der Abwasserverband Wörthersee West möchte darüber informieren, warum Ratten im Kanalnetz zum Problem werden können, was sie dort vorfinden und wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, das Auftreten von Ratten zu vermeiden.
Welche Ratten leben in der Nähe des Menschen?
Im Umfeld des Menschen können verschiedene Nagetierarten vorkommen. Für die Kanalisation ist vor allem die Wanderratte (Rattus nervegicus) von Bedeutung. Sie ist äußerst anpassungsfähig und lebt bevorzugt in der Nähe menschlicher Siedlungen. Typische Lebensräume sind unter anderem Keller, Ställe, Müllplätze und die Kanalisation.
Auch die Hausratte (Rattus rattus) lebt als Kulturfolger eng mit dem Menschen zusammen. Im Gegensatz zur Wanderratte bevorzugt sie eher warme und trockene Bereiche wie Dachböden, Speicher, Zwischenwände oder andere Hohlräume in Gebäuden.
Die Hausmaus (Mus musculus) kommt ebenfalls häufig in der Nähe des Menschen vor und nutzt unter anderem Keller, Dachböden und Lagerräume. Sie spielt für das Kanalnetz jedoch eine deutlich geringere Rolle.
Im Kanalnetz ist im Regelfall die Wanderratte der typische Vertreter.

Abbildung 1: Unterschiede der Nagetiere – Infografik zum Vergrößern bitte anklicken
Quelle: KI-generiert
Warum fühlen sich Ratten im Kanal wohl?
Die Kanalisation bietet Ratten mehrere günstige Bedingungen: Sie finden dort Schutz, Dunkelheit, relativ konstante Temperaturen und zahlreiche Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Hinzu kommen Nahrungsquellen, die durch menschliches Verhalten in das Abwassersystem gelangen können.
Ratten sind Allesfresser und äußerst anpassungsfähig. Besonders problematisch ist daher die Entsorgung von Speiseresten, Fetten und Ölen über die Toilette oder andere Abflüsse. Dadurch gelangen organische Stoffe in das Kanalnetz und können dort als zusätzliche Nahrungsquelle dienen.
Auch außerhalb der Kanalisation finden Ratten leicht zugängliche Nahrung und geeignete Unterschlupfmöglichkeiten, beispielsweise durch offen zugänglichen Müll, Tierfutter, Kompost oder dichtes Gestrüpp.
Wie gelangen Ratten in die Kanalisation?
Ratten können über verschiedene Wege in das Kanalnetz gelangen. Dazu gehören beispielsweise Straßenabläufe, Schächte, Kellerabläufe oder beschädigte beziehungsweise undichte Leitungen.
Auch private Hausanschlüsse können Zugangsmöglichkeiten bieten. Ratten sind gute Schwimmer und Kletterer und können sich durch vergleichsweise kleine Öffnungen bewegen. Dadurch können sie sich im Kanalnetz fortbewegen und bei entsprechenden Bedingungen auch in Richtung Gebäude gelangen.
Das österreichische Bundesministerium weist ebenfalls darauf hin, dass Ratten über Straßenabläufe, Auffangwannen oder Abflüsse Zugang zur Kanalisation finden können. Regelmäßige Kontrollen des Kanalnetzes sind daher ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge.
Welche Probleme können Ratten verursachen?
Ratten im Kanalnetz sind nicht nur unangenehme Mitbewohner. Ihre Aktivitäten können auch Auswirkungen auf die Infrastruktur haben.
Schäden an Rohren und Bauwerken
Ratten sind Nagetiere und können durch ihre Nageaktivitäten Materialien beschädigen. Darüber hinaus können Grabtätigkeiten im Erdreich dazu führen, dass Bereiche rund um Leitungen oder Bauwerke beeinträchtigen werden.
Verstopfungen und betriebliche Probleme
Nistmaterial oder eingetragenes Material kann unter ungünstigen Umständen zu Ablagerungen und Verstopfungen beitragen. Beschädigte Leitungen können ebenfalls zu Problemen bei der Abwasserableitung führen.
Gesundheitsrisiken
Ratten können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Aus diesem Grund sind Rattenpopulationen insbesondere im dicht besiedelten Umfeld auch aus hygienischer Sicht relevant.
Kosten und Folgeschäden
Die Bekämpfung eines Rattenbefalls sowie die Behebung von Schäden an Leitungen und Bauwerken können mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Vorbeugende Maßnahmen sind daher nicht nur aus hygienischen und technischen Gründen sinnvoll, sondern können auch helfen, unnötige Kosten zu vermeiden.
Ein konkreter Schadensfall
Wie erheblich die Auswirkungen sein können, zeigt ein konkreter Fall aus einem Einfamilienhaus:
Ein stark beschädigtes Abwasserrohr befand sich nur etwa 30 Zentimeter hinter einem WC im ersten Stock. Das Rohr war in einer Vorsatzwand unterhalb des Unterputzspülkastens verbaut.
In der Rohrwand befand sich ein großes, unregelmäßig geformtes Loch. Die ausgefransten Kanten und deutlich sichtbaren Nagespuren ließen darauf schließen, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Materialbruch handelte. Als Ursache wurde die Beschädigung durch ein Tier – vermutlich eine Wanderratte – angenommen.
Dieser Fall zeigt, dass Schaden durch Ratten nicht ausschließlich im öffentlichen Kanalnetz auftreten müssen. Auch private Abwasserleitungen und Gebäudeteile können betroffen sein.
Mögliche Folgen beschädigter Abwasserleitungen sind unter anderem:
- Wasserschäden und Feuchtigkeit
- Verstopfungen und Störungen der Abwasserableitung
- aufwendige Reparaturarbeiten
- mögliche Folgeschäden an Gebäuden
Was gehört nicht ins WC?
Die Toilette ist kein Abfalleimer. Neben Speiseresten gehören auch viele andere Stoffe nicht in die Kanalisation.
Nicht ins WC gehören unter anderem:
- Hygieneartikel, z.B. Wattestäbchen und Binden
- Feuchttücher und andere Kosmetikartikel
- Textilien
- Katzenstreu und sonstige Abfälle
- Medikamente und andere Problemstoffe
- Pestizide und Gifte
- Zement, Säuren und andere Stör- bzw. Schadstoffe
- Speisereste
- Speiseöle und Fette
- Scharfe oder gefährliche Gegenstände, z.B. Rasierklingen und Spritzen
Viele dieser Stoffe können Pumpen, Leitungen und Kläranlagen belasten oder zu Verstopfungen führen. Feuchttücher beispielsweise können sich im Abwasser nicht wie Toilettenpapier auflösen und dadurch Kanäle und Pumpen beeinträchtigen.
Was kann jeder Einzelne gegen Ratten tun?
Die wichtigste Maßnahme ist, Ratten möglichst keine leicht zugänglichen Nahrungsquellen anzubieten.
Schon mit wenigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko eines Rattenbefalls reduzieren:
- Keine Speisereste über Toilette oder Abfluss entsorgen
- Lebensmittel- und Speisereste ordnungsgemäß entsorgen
- Mülltonnen stets geschlossen halten
- Tierfutter so lagern, dass es für Ratten nicht zugänglich ist
- Futterreste und verschüttete Lebensmittel möglichst rasch beseitigen
- Kompost und andere organische Abfälle sachgerecht verwalten
- Rund um Gebäude unnötige Versteckmöglichkeiten wie Gerümpel oder dichtes Gestrüpp vermeiden
- Öffnungen und mögliche Eintrittsstellen in Gebäude verschließen
Auch das österreichische Umweltministerium empfiehlt unter anderem, Lebensmittel und Tierfutter für Nagetiere unzugänglich aufzubewahren, Abfälle verschlossen zu lagern, verschüttetes Futter rasch zu beseitigen und mögliche Zugänge zu Gebäuden zu verschließen.
Gemeinsam gegen die Ratte aus dem Untergrund
Ratten lassen sich nicht vollständig aus unserem Lebensraum fernhalten. Entscheidend ist jedoch, Bedingungen zu vermeiden, die eine starke Vermehrung begünstigen.
Dazu gehören vor allem der bewusste Umgang mit Abwasser und Abfällen. Auch die regelmäßige Kontrolle und Instandhaltung der Abwasserinfrastruktur spielt eine wichtige Rolle. Werden Schäden, undichte Stellen oder andere mögliche Eintrittswege frühzeitig erkannt und behoben, können Probleme möglichst früh verhindert werden.
Der Abwasserverband Wörthersee West trägt gemeinsam mit den angeschlossenen Gemeinden dazu bei, die Abwasserinfrastruktur sicher und funktionsfähig zu erhalten.
Denn ein sauberes Kanalnetz beginnt bereits bei jedem einzelnen Haushalt.



