
Am 1. Februar 1988 fand das entscheidende Gespräch der Gemeindevertreter in der Bezirkshauptmannschaft Villach statt. Der Plan, die biologische Kläranlage in St. Egyden zu errichten, war weiterhin aktuell – es fehlte lediglich noch der einvernehmliche Beschluss. Am 24. April trat die Gemeinde St. Jakob dem Abwasserverband bei – allerdings unter der Bedingung, dass die Vorherrschaft Veldens abgeschwächt und die Statuten entsprechend angepasst würden. Auch Rosegg trat dem Verband am 28. April bei – jedoch ebenfalls nicht ohne Forderungen: Das Land Kärnten solle Beiträge zum Abwasserverband zinsfrei bis zum geplanten Betriebsstart am 1. Jänner 1993 vorfinanzieren und auch hier wurde die Vorherrschaft Veldens abgelehnt.
Der Gemeinderat Wernberg beschloss im Dezember die überarbeiteten Statuten des Abwasserverbandes. Kurz darauf verkündete Tiefbaureferent Ernst Jakob, dass sich die vier Gemeinden nach jahrelangen Auseinandersetzungen auf einheitliche Regelungen geeinigt hätten. Damit war der Grundstein für den weiteren Ausbau des Kanalsystems gelegt.
Am 22. März 1989 fand die erste Mitgliederversammlung des AWVWW statt. Die Gründung wurde durch die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden formell besiegelt. Als erste Maßnahme beauftragte der Verband die Erstellung einer Rahmenstudie zur Abwasserbeseitigung. Im Juni beauftragte der Veldener Gemeinderat Ferdinand Vouk (SPÖ) mit der Planung und Koordination des Kanalbaus. Damit war er der einzige von drei Vertretern Veldens, der in den Abwasserverband entsandt wurde und am 6. Juli zum ersten Obmann des Verbandes gewählt wurde.

1: 22. März 1989 Gründung des Abwasserverband Wörthersee West
Im Oktober 1989 – nach 15 Jahren Diskussion – wurde ein entscheidender Durchbruch erzielt: Der Wasserwirtschaftsfonds genehmigte eine „qualifizierte Stundung“ der offenen Kanalschulden in Höhe von 4,9 Millionen Schilling. Ein Tilgungsplan mit zehn Jahresraten zu je 1,2 Millionen Schilling bei einem Zinssatz von ein bis zwei Prozent wurde festgelegt.
Am 1. März 1990 verlieh der Gemeinderat Velden Bürgermeister Ing. Walter Pippan – dem „Vater des Kanals“ – die Ehrenbürgerschaft.
Am 5. Juli stellte der Abwasserverband die von der Projektgemeinschaft Kronawetter/Schwarz erarbeitete Rahmenstudie für die geplante Kanalanlage vor. Die Anlage war für 53.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Vier mögliche Standorte wurden präsentiert, wobei DI Edmund Kronawetter den Standort St. Egyden bevorzugte. Gegen diesen Vorschlag formierten sich jedoch zwei Bürgerinitiativen. Die Entscheidung über den Standort, ursprünglich für Ende Juli angekündigt, musste verschoben werden – unter anderem, weil bei einer Protestkundgebung auf dem Fußballplatz am 27. Juli 350 Unterschriften gegen den Standort gesammelt wurden.
Am 30. November stellte der Verband in einer Bürgerversammlung eine neue Standortvariante vor: die sogenannte „Drauschleife“. Doch auch dieser Vorschlag stieß in St. Egyden auf starken Widerstand.
Trotz des Zusammenschlusses der vier Gemeinden kam es weiterhin zu Spannungen – insbesondere wegen der Standortfrage der geplanten Kläranlage. Bürgerproteste führten wiederholt zu Verzögerungen und der Verband stand vor großen Herausforderungen.
Auch außerhalb Kärntens war diese Zeit geprägt von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen:
1988 formulierten Österreich und Ungarn gemeinsam den Wunsch, einen grenzüberschreitenden Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zu errichten – ein wegweisendes Umweltprojekt.
1989 spielte Ungarn eine Schlüsselrolle beim Fall des Eisernen Vorhangs, indem es begann, die Grenzkontrollen schrittweise zu lockern. Noch im selben Jahr führte Österreich die heute bekannten weißen Kfz-Kennzeichen ein.
1990 gewann Franz Vranitzky (SPÖ) die Nationalratswahl in Österreich.
