
Alles begann im Mai 1996 mit dem ersten Spatenstich in Frög – der Startschuss für eines der größten Infrastrukturprojekte rund um den Wörthersee West. Am 24. Mai erfolgte der symbolische Akt für die Kläranlage des Abwasserverbandes Wörthersee West, deren Kosten auf 213 Millionen Schilling geschätzt wurden und die bis Ende 1998 fertiggestellt werden sollte. Tatsächlich begann der Bau aber erst vier Tage später.

1: Einblick in die Baustelle in Frög 1996
Im Veldener Stadtpark wurden im Zuge der Erneuerung der Kanalrohre auch Wasserleitungen sowie Strom- und Telefonkabel neu verlegt. Gleichzeitig wurde der Straßenverlauf vom Schlosshotel Velden weg verlegt und der Park für 25,4 Millionen Schilling neugestaltet. Im Dezember folgte der Spatenstich für den größten Bauabschnitt 04 von Föderlach bis St. Lamprecht mit einem Volumen von 122 Millionen Schilling.
Im Februar 1997 erging ein neuer Bescheid zur Errichtung der biologischen Kläranlage für 44.000 Einwohnergleichwerte (EGW). Dank optimierter Planung wurde der Ausbau von ursprünglich halb auf zwei Drittel reduziert, wodurch die Kosten um 33 Millionen Schilling auf 180 Millionen sanken. Im Juni wählte die Mitgliederversammlung einen neuen Verbandsvorstand, Walter Kupper aus Velden übernahm das Amt des Obmanns. Ab September verfügte der Verband über eine zweite Geschäftsstelle in Rosegg, wo er in die alten Räumlichkeiten der Volksschule einzog.
Obwohl der Fertigstellungstermin Ende 1998 nicht ganz eingehalten wurde, konnten durch die Umplanung 23 Millionen Schilling eingespart werden. So lagen die Gesamtkosten bei rund 190 Millionen Schilling. Im Mai 1998 informierte der Veldener Gemeinderat, dass für 800 Haushalte ein Kanalanschlussergänzungsbeitrag nötig sei, um die erforderlichen Landesförderungen zu sichern. Daraufhin kam es zu Verhandlungen mit dem Land Kärnten, das schließlich zusätzliche Fördermittel bewilligte.
Im November gewann Max Gangl einen Kunstwettbewerb für ein Kunstobjekt an der Einfahrt der Kläranlage: Ein vier Meter hoher Monolith aus Krastaler Marmor mit dem Titel „Meilenstein“.

2: Die inoffizielle Eröffnung der Anlage fand am 30. Dezember 1998 statt
Die Gebühren für die Kanalbenutzung wurden im November 1998 beschlossen: Die Bereitstellungsgebühr betrug 1.812,67 Schilling pro Bewertungseinheit, die Benützungsgebühr 17,88 Schilling pro Kubikmeter. Im selben Monat erfolgte der Spatenstich für den Bauabschnitt 13 in Kaltschach, der die Entsorgung von Kletschach, Neudorf, Kaltschach und Oberwernberg abdeckte. Seit September 1998 wurde das Gebiet auch auf das Gewerbegebiet Wernberg erweitert. Im Dezember beschloss man die Übernahme des Abwasserwerks Velden inklusive des Personals. Etwa eine Woche später zog der Abwasserverband in das neue Bürogebäude der Kläranlage, die nun betriebsbereit war. Die inoffizielle Inbetriebnahme fand am 30. Dezember 1998 mit großer politischer Prominenz statt.
Anfang 1999 übernahm der Verband die Veldener Anlage offiziell. Mit dem Jahreswechsel wurden neue Gebühren eingeführt: 132 Euro pro Bewertungseinheit für die Bereitstellung und 1,30 Euro pro Kubikmeter für die Benutzung. Im März genehmigte der Gemeinderat Wernberg diese Gebühren – die erste nicht einstimmige Entscheidung in der Kanalgeschichte. Die feierliche Eröffnung der Kläranlage in Frög fand am 8. Oktober 1999 statt. Tausende Besucher nahmen teil und es gab Gratis-Kompost aus Klärschlamm. Während der Bauarbeiten wurden 220.000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben, 11.400 Kubikmeter Beton und 1.570 Tonnen Eisen verbaut. Der Vertrag zur Übergabe des Veldener Kanals wurde am 21. Dezember unterzeichnet.

3: Übergabe des Kanals durch Veldens Bürgermeister Marinell an den Obmann Walter Kupper
Im Oktober 2001 erfolgte eine Prüfung durch den Rechnungshof, die 2002 mit klarem Lob für den Verband endete. Ende 2001 wurde die alte Kläranlage in Selpritsch abgerissen, was nur einen Bruchteil der veranschlagten vier Millionen Schilling kostete. Im Herbst 2002 war der Kanalbau in Wernberg mit dem Abschnitt 26 am intensivsten, da in sieben Ortschaften gleichzeitig gebaut wurde. Spatenstiche fanden am 23. Oktober in Unterwernberg, am 7. November in Krottendorf und am 13. November in Goritschach statt.
Der Bauabschnitt 26b mit den Ortschaften Schleben, Gottestal, Dragnitz und Zettin wurde im Juni 2003 am Gottestaler Pfarrplatz eröffnet. Ebenfalls eröffnet wurde der Abschnitt 22, der Sand, Krottendorf, Lichtpold, Duel, Goritschach und Damtschach umfasste. Die größten Herausforderungen waren die Unterquerungen der Südbahn-Eisenbahnlinie und des Autobahnzubringers Velden-West, die mit 18 Metern bzw. 45 und 54 Metern Länge überwunden werden konnten.
2006 wurde beschlossen, dass Kanalgebühren und -beiträge künftig direkt vom Abwasserverband eingehoben werden und nicht mehr über die vier Gemeinden. Dadurch konnten jährlich mindestens 70.000 Euro an Verwaltungskosten und Kreditzinsen eingespart werden. Laut einer Gebarungsprüfung 2008 betrug die Gesamtersparnis etwa 80.000 Euro.
Für den Bauabschnitt 34 mit den Ortschaften Terlach, Trabenig und Ragain wurde am 19. April 2006 der erste Spatenstich gesetzt.
Mit dem Abschluss der zentralen Bauabschnitte, konsequenter Kostenkontrolle und einer strukturellen Weiterentwicklung wurde aus dem Projekt eine Erfolgsgeschichte moderner Abwasserwirtschaft.
Während das regionale Projekt erfolgreich umgesetzt wurde, veränderten sich auch die politischen Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene:
Das Friedensabkommen von Dayton beendete 1996 den Bosnienkrieg, doch ethnische Spannungen in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens führten 1998 zum Kosovo-Krieg.
Die NATO intervenierte 1999, um den Konflikt zu beenden. 2006 erklärte Montenegro seine Unabhängigkeit von Serbien.
Österreich trat 1996 der EU bei, führte 1999 den Euro als Buchgeld und 2002 als Bargeld ein.
