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1991-1995

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100 Jahre Wasserwirtschaft

Nach anhaltendem Widerstand wurde die Variante „Drauschleife“ beim Lukowitzbach endgültig verworfen – auch aus Treffen und Ludmannsdorf kamen Proteste. Im Februar 1991 sammelten Bürger in Maria Elend 220 Unterschriften gegen den Standort.

Am 15. Mai 1991 wurde Johann Lastin bei der Gemeinderatswahl zum ersten Vizebürgermeister gewählt – damit fiel der Bereich Abwasseranlagen in seinen Zuständigkeitsbereich. Im Juli übernahm er auch den Vorsitz des Abwasserverbandes. Pünktlich zum Saisonbeginn wurde der Rückbau vom Parkplatz Ost bis zur Gemeindegrenze abgeschlossen. Dabei wurden für 3 Millionen Schilling Kanalrohre und für 10 Millionen Schilling Wasserleitungen verlegt.

Im Sommer legten die Planer zwei neue Varianten der Rahmenstudie vor: ARA-Standort Selpritsch und ARA-Standort Alt-ARA Velden. Beide wurden am 25. Oktober präsentiert – erneut in Form einer überarbeiteten „Drauschleife“, diesmal mit optischer Abschirmung durch Erdwälle. Auch finanzielle Anreize für Bewohner von Latschach und Pulpitsch sollten Zustimmung fördern – dennoch sprachen sich 270 Menschen mit ihrer Unterschrift dagegen aus.

Daraufhin wurde der Planer Inno Alber hinzugezogen. Er schlug einen neuen Standort auf einer unbewohnten Landzunge neben dem Kraftwerk Rosegg vor. Diese Variante wurde im Dezember bei einer Bürgerversammlung präsentiert – stieß aber erneut auf Widerstand. Im März 1992 sammelte eine Bürgerinitiative aus Mühlbach, St. Jakob und Frög 340 Unterschriften. Die Standortentscheidung wurde erneut verschoben.

Lokalaugenschein beim zukünftigen Standort Rosegg im Jahr 1992. 
Der Planer Inno Alber erläuterte das Projekt.

1: Lokalaugenschein beim zukünftigen Standort Rosegg im Jahr 1992. 
Der Planer Inno Alber erläuterte das Projekt.

Im Mai reichte der Verband ein begrenztes Projekt für eine Kläranlage in Frög ein. Das Land Kärnten lehnte dieses jedoch mit Verweis auf die hohen Kosten (263 Millionen Schilling) ab. Das Projekt wurde auf 185 Mio. reduziert.

Tiefbauingenieur Ernst Kofler

2: Tiefbauingenieur Ernst Kofler

Im Sommer 1992 wurden mehrere Varianten geprüft. Die Wasserbauabteilung genehmigte schließlich die Variante „Kraftwerk Rosegg 1b“, mit einem Budget von 202,3 Millionen Schilling. Die Gemeinde Rosegg erhielt eine Bauerschwerniszulage von 5 Millionen Schilling, die Velden in zehn Jahresraten abbezahlte. Das Projekt schuf neben neuen Arbeitsplätzen auch steuerliche Vorteile (Lohnsummensteuer). Am 22. Oktober beschloss die Mitgliederversammlung des AWV einstimmig den Bau bei Rosegg. Auch der Sitz des Verbands sollte nun dorthin verlegt werden. Für die Anwohner wurden gestaffelte Ermäßigungen bei Anschluss- und Benützungsgebühren eingeführt. Die Geschäftsführung übernahm vorerst Ernst Kofler, Tiefbauingenieur des Gemeindeamts Velden.

Klaus Lassnig Geschäftsführer des AWVWW (1993 – 2017)

3: Klaus Lassnig Geschäftsführer des AWVWW (1993 – 2017)

1993 wurde der erste Baukostenzeitplan erstellt. Auch die Abwasserbelastung im gesamten Verbandsgebiet wurde erhoben. Im September wurde Klaus Lassnig zum Geschäftsführer des AWV Wörthersee West ernannt und trat sein Amt am 1. Oktober an. Im Dezember wurde gemeinsam mit Banken die Einführung von Kanalsparbüchern vereinbart – die Gemeinde übernahm dabei sogar die Zinsertragssteuer. Bis 1996 waren 217 Sparbücher im Umlauf. Auch St. Jakob setzte eigene Anreize: Beim „grünen Sparbuch“ gab es drei Prozent Bonus auf jeden Beitrag. Velden und Rosegg unterstützten Haushalte mit 50.000 Schilling. Zusätzlich wurden ein Umwelt-Sparbuch und ein Umwelt-Kredit mit günstigen Konditionen eingeführt.

Anfang 1994 übersiedelte der AWVWW nach Rosegg – zunächst in zwei kleine Kellerräume der Raiffeisenbank, später in eine erste eigene Geschäftsstelle. Im Juli beschloss der Gemeinderat von Velden den Entsorgungsbereich, wobei nur 28 Häuser außerhalb lagen. Ein Kanal-Kataster wurde erstellt, die Gesamtkosten der Kanalsanierung wurden auf rund 2,5 Milliarden Schilling geschätzt.

Am 23. Februar 1995 genehmigte die Kärntner Landesregierung mittels Wasserrechtsbescheid den Bau einer vollbiologischen Abwasserreinigungsanlage bei Frög, ausgelegt auf 62.000 Einwohnergleichwerte. Am 7. Juli folgte die Genehmigung des Abwasser-Rahmenkonzepts. Der Bürgerinitiative Mühlbach/Frög wurde die Parteienstellung aberkannt und sie berief gegen den Bescheid. Die oberste Wasserrechtsbehörde wies die Berufung als unbegründet ab – die Initiative klagte weiter bis zum Verwaltungsgerichtshof.
Am 2. Oktober 1995 begann der erste Bauabschnitt in Göriach, Kranzlhofen und Unterwinklern: 8,9 km Kanal, 145 Hausanschlüsse, Kosten: 33 Millionen Schilling. Am 16. Oktober wurde Bauabschnitt 02 mit 12,4 Millionen Schilling beschlossen – er umfasste die Erneuerung der alten Rohre unter dem Seecorso. Der Baubeginn war der 2. November. Am 10. November wies der Verwaltungsgerichtshof auch diese Beschwerde als unbegründet ab.
Trotz jahrelanger Einwände und Verzögerungen konnte das Projekt schließlich umgesetzt werden. Eine moderne Abwasserentsorgung entstand – mit langfristigem Nutzen für Umwelt und Bevölkerung.

 

Während sich die Gemeinden rund um den Wörthersee mit lokalen Infrastrukturprojekten beschäftigten, veränderte sich das politische Bild Europas grundlegend.

1991 begannen mit der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens und Kroatiens die Zerfallsprozesse Jugoslawiens. Es folgte der Zehn-Tage-Krieg in Slowenien sowie der lang andauernde Kroatienkrieg (März 1991 – November 1995).

Zeitgleich endete Anfang 1991 der Zweite Golfkrieg nach der militärischen Intervention der USA gegen den Irak, der zuvor Kuwait besetzt hatte.

In Österreich erschütterte 1991 ein Missbrauchsskandal das Vertrauen in die katholische Kirche. Dies führte schließlich zum Kirchenvolksbegehren, das Reformen und mehr Transparenz forderte.

1992 erklärte sich Bosnien und Herzegowina für unabhängig – der Bosnienkrieg brach aus und wurde in den Folgejahren auch durch UN-Truppen nicht vollständig eingedämmt.

1994 stimmte die Mehrheit der Österreicher für den Beitritt zur Europäischen Union. Mit 22,5% erzielte die FPÖ unter Jörg Haider einen Wahlerfolg.

Am 1. Jänner 1995 trat Österreich gemeinsam mit Finnland und Schweden der Europäischen Union bei.


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